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Raw Travelling – Rohkost in Marokko?

Smoothie am Strand
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Das Fernweh! Mein allerliebstes “Weh”, das sich bei mir gaaaanz oft meldet. Es lebt ganz dicht unter der Oberfläche und beim leisesten Anlass springt es mit ausgebreiteten Armen hervor und ruft “Taaddaaaaa! Da bin ich wieder, beachte mich!!!”. Weil ich große Lust habe, dieser Sehnsucht nachzugeben, und den Frieden zwischen uns beiden aufrecht zu halten, flüchteten wir vor der Dunkelheit des Winters im Februar/März nach Marokko. Oh ja, dieses tolle Land hat es mir angetan.

Meinen dritten Marokkobesuch, habe ich genutzt, um mit meinem Sohn zum ersten Mal einen anderen Kontinent zu besuchen. Und in eine wunderbar andersartige Welt einzutauchen. Für ihn war es das erste Mal im Flugzeug. Ein kleines bisschen aufgeregt war ich schon, weil es klar war, dass sich auf dieser Reise zeigen würde, ob Santiago ein Traveller ist, oder doch eher einer, der Zuhause zufrieden ist und den Ruf der Ferne nicht hört. Bisher waren wir zwar zusammen unterwegs gewesen, aber nie wirklich weit weg und nie so lange. Und in einer für ihn ganz neuen und fremden Kultur. Und dann war da ja noch der spannende Forschungauftrag in Sachen vegan und roh…

Rohkost in Marokko?

Erst als wir zurück waren, hörte ich von einem Freund, dass zeitgleich zu unserem Urlaub ein Rohkost-Rainbow-Gathering in Marokko stattfand. Das war allerdings die einzige Info, die ich im Zusammenhang mit Marokko zur Rohkost bekommen habe. Schon Veganer sind ziemliche Exoten in Marokko. Und obwohl die Gastronomie grundsätzlich auf europäische Mainstream-Ansprüche eingestellt ist, findet man Dinge wie Milchalternativen in Cafés äußerst selten. Das ist selbst in größeren Städten wirklich die Ausnahme. Nur in dem Fischer- und Surferdörfchen Tagazhout an der Atlantikküste fand ich ein (von Europäern betriebenes) Café, das veganes Essen anbietet und wo du auch einen Smoothie bekommst. Auch in den Läden, in denen man sich mit den alltäglichen Lebensmitteln eindeckt, sucht man so etwas vergeblich. Also Veganer und Rohköstler haben es nicht ganz einfach in Marokko. Aber das war keine Überraschung für uns.

Rohkost in Marokko

All Moroccan Breakfast 🙂

Vorbereitung: meine 3 Tips

Um ein Minimum an Rohkost täglich zur Verfügung zu haben, solltest du auf jeden Fall vorsorgen und dir eine Grundausstattung mit in den Koffer packen. Das ist die einfachste und praktischste Methode um gleich am ersten Tag als Rohkost-Selbstversorger gerüstet zu sein. In Marokko selbst ist es mühsam bis unmöglich innerhalb kurzer Zeit an alle erforderlichen Lebensmittel und Küchegeräte zu kommen, die du so brauchst.

Neben einer 1-2 Tagesration an Obst und Gemüse für den Anfang empfehle ich dir:

  • Brot mitnehmen
  • an Keimglas und Keimsaat denken (nein, nicht nur denken, auch einpacken)
  • Pürierstab (und je nachdem Mulltuch) einpacken
  • wenn du (roh)vegane Milch magst: Getreide oder Nüsse

“Milch”

Wenn du genau wie ich ein Hafer(milch)fan bist, dann pack dir etwas Hafer mit in deinen Koffer. Du kannst den Hafer entweder zur Herstellung von roher Hafermilch verwenden (mit dem mitgebrachten Pürierstab und dem Tuch zum abseihen), oder den über Nacht eingeweichten (pürierten) Hafer als Grundlage für ein Müsli oder Brei nehmen. Alternativ kannst du statt ganzen Haferkörnern auch Haferflocken nehmen. Wenn du vollwertig essen möchtest, solltest du aber immer den ganzen, unverarbeiteten Körnern den Vorzug geben. Beim Einweichen solltest du auf jeden Fall darauf achten, dass du das Einweichwasser vor dem Verzehr der Körner wegschüttest, und das Getreide gut abspülst. Wenn du Hafermilch daraus machst, selbstverständlich auch! Warum? Stichwort Phytinsäure. Mehr Infos dazu findest du in diesem Artikel. Das Einweichgebot gilt genauso für andere Getreide und auch für Nüsse. Hafer habe ich genommen, weil es einen sehr geringen Glutenanteil hat und schmeckt mir selbst am besten schmeckt.

Die etwas teurere Variante ist es, sich Nussmilch zu machen. Nüsse findest du in Marokko vor Ort, allerdings häufig geröstet und gesalzen. Wenn du also auf Nummer sicher gehen möchtest, dann nimm dir einige Nüsse, z.B. Mandeln von Zuhause mit, damit du die erste Zeit besser überbrücken kannst, bis du vor Ort eine geeignete “Nussquelle” gefunden hast. Solltest du in einer Stadt unterkommen, sollte das keine Schwierigkeit sein. Wir verbrachten den Großteil unserer Reise allerdings in einem kleinen Dorf, wo die wenigen Lädchen leider nicht so gut bestückt waren.

$€ und Bio???

Lebensmittel sind wie zu erwarten, in Marokko wesentlich günstiger als in Deutschland. Dafür gibt es dort keine Bio(laden)kultur wie bei uns. Die Herkunft von Obst und Gemüse ist meistens nicht erkennbar, aber ähnlich wie in deutschen Supermärkten kommt Obst und Gemüse oft aus Spanien und je nach Jahreszeit natürlich auch aus Marokko. Das trifft auch auf Trockenwaren zu. Und wenn es auf einem kleinen Markt nur einen Händler gibt, der das anbietest, was du willst, dann macht es wenig Sinn auf nachweislicher Bioqualität zu bestehen. Die einzige ausgewiesene Bioware, die ich gesehen habe, war natives Arganöl, das ich auf einem Wochenmarkt erstanden habe.

Genaue Preise findest du bei frischen Lebensmitteln oft nicht ausgezeichnet. Ein Einkauf für drei Tage (für 2 große und eine kleine Person), bei dem ich Kartoffeln, Fenchel, Orangen, Zucchini, Gurken, Tomaten, Petersilie, Bananen, Äpfel, Petersilie und Minze gekauft habe, hat umgerechnet etwa 9€ gekostet. Der Preis für 1 Bund Minze oder Petersilie liegt in den weniger touristischen Gebieten bei 1 Dirham was umgerechnet etwa 10 Cent sind. Nüsse sind teilweise genau so teuer wie ich es aus Deutschland kenne. Auf das berühmte Arganöl gehe ich weiter unten nochmal genauer ein.

Souk statt Supermarkt

Sympathisch und zugleich ungewohnt, so empfand ich das Einkaufen in Marokko. Die täglichen Dinge werden in winzig kleinen und bis oben vollgestopften Lädchen verkauft, von Nudeln bis Waschmittel, und Gummibärchen bis Shampoo reicht das Repertoire dieser Minimärkte. Supermärkte gehören in Marokko nicht zum Straßenbild. Das wirklich aufregende und faszinierende aber ist der Einkauf in einem richtigen Lebensmittel-Souk. Souk bedeutet soviel wie “Markt” und wird in anderen orientalischen Ländern “Basar” genannt. Besonders in den Altstädten orientalischer Städte besteht ein Souk meistens aus einem bunten und belebten (und unübersichtlichen) Gewirr aus Straßen und Gässchen, in denen sich ein Laden an den anderen reiht. Es gibt dabei immer eine Aufteilung der Gewerbe, also in einem Teil des Souk bekommst du Kleider, in einem anderen Teil gibt es Lebensmittel und in einem dritten warten die Schuster auf Kunden etc..

Dort, wo viele Touristen sind ist die offensive “Verkaufspolitik” der Händler auch viel stärker. Mit ihrem ganzen Charme und allerlei Tricks versuchen sie, dich in den Laden zu holen und ihre Waren anzupreisen. Im Gemüse-Souk ist das Treiben viel entspannter, weil Touristen eher nicht dort kaufen. Unsere Erfahrung dort war ohne Ausnahme sehr entspannt und die Marokkaner sind sehr aufmerksame und höfliche Menschen. Probieren vor dem Kaufen geht immer! Nur, dass zwischen dem fliegenden Minzhändler und der Kräuterapotheke auf der Bürgersteigkante Rochen und Thunfische zerteilt werden, damit muss man sich als deutsch geprägter Reisender erst akklimatisieren 🙂 Aber auch das hat etwas viel direkteres und “natürlicheres” als wir das aus unserem Zuhause kennen. Mein Sohn war jedenfalls grenzenlos fasziniert von diesen vielen Bildern und Gerüchen im Souk. Must-see!

Rohkost in Marokko - Souk

Souk in Agadir

Ein Highlight war der Zuckerrohrsaft, der frisch gepresst im Souk verkauft wurde. Auch roh und vegan 🙂

Zuckerrohrsaft

Meine Top 6 Lebensmittel in Marokko

Arganöl

Was wir in Deutschland selten erfahren, und auch in Bioläden hier nicht unbedingt zum Grundwissen gehört ist, dass es grundsätzlich zwei verschiedene Arten von Arganöl gibt. Das sogenannte “kosmetische”, das aus den rohen Nüssen gewonnen wird, und das in der marokkanischen Küche verwendete Arganöl, das aus den gerösteten Argannüssen hergestellt wird. Weil das Rösten und die anschließende Verarbeitung ergiebiger ist, kostet dieses Öl auch weniger. In Marokko wird das native (meiner Meinung nach höherwertige) Arganöl nicht gegessen. Das müssen wir aber nicht genauso handhaben.

Argannüsse

ArganmühleIn den Städten wird fast überall in Marokko Arganöl angeboten, allerdings zu weit höheren Preisen als in den meisten Produktionskooperativen oder auf Märkten, die eher von einheimischen besucht werden. Auf einem Wochenmarkt an der Atlantikküste (wo ich wirklich die einzige Ausländerin war), habe ich 60Dirham (umgerechnet etwa 6€) für 250 ml natives Arganöl mit Biozertifikat bezahlt. In den Städten lag der Preis im Schnitt bei 200Dirham! In Deutschland kosten 100ml natives Arganöl um die 9€.

Bananen

Marokkanische Bananen in Marokko am Strand essen! Was kann lässiger sein? Je nach Jahreszeit gibt es Bananen in Hülle und Fülle, die im Freiland wachsen, reif geerntet werden und deswegen auch aromatischer und viel leckerer sind als bei uns.

Bananaaaaa

Bananaaaaa!!!

Orangen

Wenn du schon einmal de Erfahrung gemacht hast, reife, frische Orangen zu essen, dann kennst du den Abtörneffekt, den die “deutschen” Supermarktorangen haben können. Als Orangenfan bist du in Marokko im Paradies. An jeder Ecke bekommst du frisch gepressten Orangensaft (à 4DH = 40Cent pro Glas) und frische marokkanische Orangen.

Datteln

Irrerweise haben wir sogar Datteln aus den Emiraten in einem Laden gesehen – wo doch echt jede Menge Datteln in Marokko selbst angebaut werden. Achte also beim Dattelkauf darauf, wo die süßen Bömbchen herkommen. Und die Vielfalt der verschiedenen Sorten so richtig auskosten!

Oliven

Auch als Olivenfan bist du hier im Paradies! Oliven gehören zur marokkanischen Küche unbedingt dazu. Um zu erfahren, ob die Oliven pasteurisiert (erhitzt), fermentiert oder anders verarbeitet wurden, musst du beim Händler nachfragen. Es kann dir leicht passieren, dass du keine befriedigende Antwort bekommst, weil das Bewusstsein über eine schonende Verarbeitung (oder sogar nach Rohkoststandards) nicht so weit verbreitet ist und die Händler deswegen auch nicht auf solche Fragen vorbereitet sind.

Oliven im Souk

Nüsse

Alle Arten von Nüssen (bis auf Paranüsse, die habe ich vergebens gesucht) sind in Hülle und Fülle vorhanden. Auf den Souks bekommst du im offenen Verkauf fast alles, was du willst. Die Preise allerdings sind ähnlich hoch wie in Deutschland.

Nüsse im Souk

Wir sind überglücklich und rundum verwöhnt aus Marokko zurück gekommen. Wie erwartet, war Marokko kein Paradies für Veganer und Rohköstler – trotzdem ist es hier mit etwas Planung möglich, sich vegan zu ernähren ohne dass die Entspannung zu kurz kommt. Wenn du meine Tips befolgst, wirst du es etwas leichter haben als ich (ich hatte nämlich keinen Pürierstab dabei) und hoffentlich genau so gute oder bessere Erfahrungen in diesem verzauberten Land sammeln. Ich freue mich über deine Anmerkungen und Fragen zu diesem Post und bin gespannt von Erfahrungen zu lesen, die du vielleicht schon bei einer Marokkoreise gesammelt hast.

Alles Liebe,

Ana

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